
Über Künstliche Intelligenz wird derzeit mehr geredet als über fast jedes andere Wirtschaftsthema. Konferenzen, Whitepaper, LinkedIn-Beiträge, Beraterstudien – der Chor ist laut, und er ist erstaunlich einig: KI verändere alles, und wer nicht sofort handle, verliere den Anschluss. Wir hören diesen Chor jeden Tag. Und wir stellen fest, dass er die eine Frage kaum beantwortet, auf die es im Alltag ankommt: Was passiert in den Unternehmen tatsächlich, wenn man die Bühne verlässt und in die Büros, Werkstätten und Vertriebsteams des Mittelstands schaut?
Genau diese Lücke schließt unsere KI-Praxisbefragung im Mittelstand. Mit der Studie „Zwischen Hype und Zögern – KI-Praxisbefragung 2026″ untersuchen wir nicht, was Mittelständler über KI *sagen* und *erwarten*, sondern was sie wirklich *tun* und *erreichen*. Der Titel ist Programm: Zwischen dem Hype, der Erwartungen auf ein unrealistisches Niveau treibt, und dem Zögern, das aus Unsicherheit erwächst, liegt die eigentliche Realität – und über die weiß die Öffentlichkeit erstaunlich wenig Belastbares.
Warum eine KI-Praxisbefragung im Mittelstand – und warum diese anders ist
Die berechtigte Gegenfrage lautet: Gibt es nicht längst genug Studien zu KI? Es gibt viele. Aber die meisten stammen von Anbietern, die etwas verkaufen wollen, oder von Beratungshäusern, deren Zahlen den eigenen Angebotskatalog stützen. Das macht sie nicht wertlos, aber es macht sie interessengeleitet. Und es erklärt, warum sich die Befunde oft so glatt und so optimistisch lesen. Wer Werkzeuge verkauft, berichtet ungern, dass die Mehrheit der Projekte im Sande verläuft.
Wir gehen bewusst anders vor, und wir legen die Grenzen unseres Vorgehens offen. Unsere Befragung ist eine nicht-repräsentative Praxisbefragung – das weisen wir im späteren Report transparent aus, statt einen wissenschaftlichen Anspruch zu behaupten, den eine Online-Erhebung nicht einlösen kann. Sie ist vollständig anonym, dauert rund sechs Minuten und umfasst etwa achtzehn Fragen. Es gibt kein Gewinnspiel und keine versteckte Vertriebsabsicht; als Gegenwert erhalten Teilnehmende den Ergebnisreport exklusiv vorab. Diese Nüchternheit ist kein Verzicht, sondern Methode: Sie zieht genau die Menschen an, die ehrlich antworten, weil sie an einem realistischen Bild interessiert sind – und nicht an einer weiteren Bestätigung des Hypes.
Ehrlich, praxisnah und ohne Hype – das ist die Haltung, mit der wir seit Jahren Mittelständler bei der Einführung neuer Technologien begleiten, und es ist die Haltung, mit der wir diese Studie anlegen. Wir haben genug Projekte aus der Nähe gesehen, um zu wissen, dass die interessanten Erkenntnisse selten in den Erfolgsgeschichten liegen, sondern in dem, was zwischen Ankündigung und Umsetzung verloren geht.
Die Leitfrage: Wie groß ist die Lücke zwischen Reden und Tun?
Im Zentrum steht eine einzige, unbequeme Frage: Wie groß ist der Abstand zwischen dem, was Unternehmen über KI sagen und erwarten, und dem, was sie tatsächlich umsetzen und erreichen? Aus vielen Gesprächen haben wir dazu klare Thesen entwickelt – und der Sinn der Befragung ist, sie an der Wirklichkeit zu prüfen, statt sie zu behaupten. Ich formuliere sie hier bewusst zugespitzt, weil vage Vermutungen niemandem helfen.
Unsere erste These: Die Mehrheit der Unternehmen experimentiert bereits mit KI, aber nur eine Minderheit hat sie in wiederkehrende Geschäftsprozesse überführt. Zwischen „Einzelne Mitarbeitende nutzen ChatGPT auf eigene Faust“ und „KI ist fester Bestandteil eines Kernprozesses“ liegen Welten – und wir vermuten, dass sich der Mittelstand ganz überwiegend in der ersten Hälfte dieses Spektrums bewegt. Wenn sich das bestätigt, ist die entscheidende Aufgabe der nächsten zwei Jahre nicht der Einstieg in KI, sondern die Überführung vom Experiment in den Prozess.
Unsere zweite These ist die unbequemste: Die größte Hürde ist weder die Technik noch das Budget, sondern fehlende interne Kompetenz und fehlende Zeit auf Führungsebene. Diese Einschätzung widerspricht der öffentlichen Debatte, die gern über Rechenleistung, Datenschutz und Modellqualität spricht. Nach unserer Erfahrung sind das selten die Punkte, an denen Vorhaben tatsächlich scheitern. Sie scheitern daran, dass niemand die Zeit hat, aus einem gelungenen Test einen verbindlichen Ablauf zu machen.
Die dritte These ist für uns die strategisch wichtigste, und ihr Ausgang wird den größten Teil des Reports prägen: Unternehmen, in denen sich die Geschäftsführung persönlich mit KI beschäftigt, kommen messbar weiter als jene, die das Thema delegieren – an eine Fachabteilung, an einen einzelnen Enthusiasten oder an eine externe Agentur. Wenn sich dieser Chefsache-Effekt in den Daten zeigt, hat das eine sehr konkrete Konsequenz: KI ist im Mittelstand kein IT-Projekt, das man auslagern kann, sondern eine Führungsaufgabe, die man selbst verstehen muss.
Und schließlich die vierte These: Ein relevanter Teil der Unternehmen hat bereits KI-Vorhaben begonnen und wieder eingestellt – und die Abbruchgründe sind überwiegend organisatorisch, nicht technisch. Fehlende Zeit, fehlendes Know-how, enttäuschte Erwartungen an die Ergebnisqualität, und auffällig oft der Satz: „Die verantwortliche Person hat das Unternehmen verlassen.“ Das sind keine Technikprobleme. Das sind Hinweise darauf, dass Wissen auf einzelnen Schultern lag und nie im Unternehmen verankert wurde.
Ich betone: Das sind Thesen, keine Ergebnisse. Beides – Bestätigung wie Widerlegung – wäre für uns ein wertvolles, publizierbares Resultat. Genau deshalb lohnt sich die Befragung. Sie zwingt uns und die Teilnehmenden, das eigene Bauchgefühl an belastbaren Antworten zu messen.
Warum wir die Führungsebene fragen – und nicht die IT
Wir richten die KI-Praxisbefragung im Mittelstand bewusst an Inhaber, Geschäftsführer und Führungskräfte mit Entscheidungsbefugnis in Unternehmen zwischen etwa fünf und fünfhundert Mitarbeitenden. Anbieter von KI-Dienstleistungen und Berater schließen wir aus – nicht aus Geringschätzung, sondern weil „Insider“ das Bild verzerren würden. Wer beruflich KI verkauft, schätzt den Reifegrad des Marktes systematisch anders ein als jemand, der KI im eigenen Betrieb zum Laufen bringen muss.
Diese Auswahl ist selbst schon eine inhaltliche Aussage. Wir glauben nicht, dass sich der Stand der KI im Mittelstand am besten in der IT-Abteilung ablesen lässt. Er zeigt sich dort, wo über Prioritäten, Budgets und Zuständigkeiten entschieden wird. Wenn wir wissen wollen, warum KI in einem Unternehmen Fahrt aufnimmt oder liegen bleibt, müssen wir mit denen sprechen, die genau diese Entscheidungen treffen – oder eben aufschieben.
Was der Report konkret leisten soll
Ein Ergebnisbericht, der nur Prozentwerte aneinanderreiht, hilft niemandem weiter. Deshalb legen wir die Auswertung von Beginn an auf Entscheidungslogik an, nicht auf Statistik-Ästhetik. Uns interessiert nicht allein, *wie viele* Unternehmen KI in Kernprozessen einsetzen, sondern *was* die Unternehmen unterscheidet, die weiter sind, von jenen, die stecken bleiben. Wir werten deshalb gezielt entlang weniger, klarer Trennlinien aus: nach Unternehmensgröße, nach der Frage, ob KI Chefsache ist oder delegiert wurde, und nach dem tatsächlichen Reifegrad des Einsatzes.
Aus dieser Kreuzauswertung soll etwas entstehen, das im Alltag nutzbar ist: eine ehrliche Standortbestimmung, an der ein Geschäftsführer ablesen kann, wo sein Unternehmen im Vergleich steht – und eine Handvoll konkreter Handlungsempfehlungen, die sich aus den Daten ableiten, nicht aus dem Wunschdenken der Autoren. Dazu kommen anonymisierte Stimmen aus der Praxis: die eine KI-Fähigkeit, die sich Unternehmer sofort in ihrem Betrieb wünschen würden, und die ehrliche Antwort auf die Frage, was passieren müsste, damit es endlich schneller vorangeht. Diese O-Töne sind oft aufschlussreicher als jede Kennzahl.
Wie Sie in sechs Minuten Teil eines realistischen Bildes werden
Wir haben die Befragung so gebaut, wie wir uns selbst als Teilnehmer eine wünschen würden: kurz, konkret, ohne Suggestivfragen und mit einer klaren Trennung zwischen Ihren Antworten und Ihrer Person. Die Erhebung ist anonym; wer den Report vorab erhalten möchte, hinterlässt seine E-Mail-Adresse in einem separaten Schritt, der technisch nicht mit den Antworten verknüpft ist. Das ist kein Detail am Rande, sondern die Voraussetzung für Ehrlichkeit. Nur wer sicher sein kann, dass seine Einschätzung nicht auf ihn zurückfällt, antwortet offen – gerade bei den unbequemen Fragen nach gescheiterten Projekten.
Der Aufwand ist bewusst gering: rund sechs Minuten, etwa achtzehn Fragen, keine Vorbereitung nötig. Der Gegenwert ist es nicht: Sie prägen mit Ihrer Antwort ein realistisches Bild statt eines weiteren Marketing-Versprechens, Sie erhalten eine Orientierung, wo Ihr Unternehmen im Vergleich steht, und Sie bekommen den vollständigen Report vor der öffentlichen Veröffentlichung. Wer ehrlich mitmacht, bekommt also mehr zurück, als er investiert – und trägt zugleich dazu bei, dass endlich über die Praxis gesprochen wird und nicht nur über die Bühne.
Warum uns dieses Thema nicht loslässt
Wir – Stephan Heinrich und Hans J. Friedrich – beschäftigen uns nicht aus akademischem Interesse mit dieser Frage. Wir begleiten Mittelständler in der Praxis: bei Vertrieb und Unternehmensentwicklung im digitalen Zeitalter und bei der Einführung neuer Technologien in Marketing und Vertrieb. Und wir stoßen immer wieder auf dieselbe Diskrepanz zwischen den großen Ankündigungen und dem, was am Ende wirklich im Betrieb ankommt. Diese Diskrepanz ist kein Zeichen von Rückständigkeit. Sie ist der ehrliche Zustand einer Technologie, die schneller Erwartungen erzeugt, als Organisationen sie einlösen können.
Deshalb glauben wir, dass eine unabhängige, offen als solche gekennzeichnete KI-Praxisbefragung im Mittelstand mehr wert ist als die nächste Hochglanzprognose. Sie gibt dem Mittelstand eine Stimme, die in der öffentlichen Debatte selten vorkommt: die Stimme derer, die KI nicht verkaufen, sondern zum Laufen bringen müssen.
Wenn Sie zu diesen Menschen gehören, dann fehlt in unserem Bild noch genau eine Einschätzung – Ihre. Nehmen Sie an der Befragung teil, ehrlich und in sechs Minuten. Sie erhalten die Ergebnisse als Erster, und Sie helfen mit, den Abstand zwischen Reden und Tun endlich sichtbar zu machen.

